Gastvorlesungen

Diese Gastvorlesungen sind Teil des SLS Forums. Eingeschriebene MA- und PhD-Studierende erhalten 0,25 ECTS für die Teilnahme.

Anmeldungen sind über KSL möglich.

Ringvorlesung: Heritage Languages

Ringvorlesung: Heritage Languages

Die CSLS-Ringvorlesung im Frühjahrssemester 2026 ist ein didaktisches Projekt, das von Kolleg:innen der Universität Bern gestaltet wir. Im Zentrum stehen verschiedene Forschungsansätze zur Untersuchung von Herkunftssprachen in der mehrsprachigen Schweiz. Behandelt wird, wie diese Sprachen innerhalb von Familien und Gemeinschaften erworben, weitergegeben oder wiederbelebt werden.

 

Der Kurs verbindet theoretische Grundlagen mit empirischen Fallstudien zu Migration und Mehrsprachigkeit und ist folgendermassen aufgebaut:

Die ersten drei Einführungsvorlesungen befassen sich mit grundlegenden Definitionen, Forschungstraditionen sowie theoretischen Rahmenkonzepten. In den weiteren Sitzungen werden unterschiedliche Herkunftssprachen – neben Italienisch, Französisch und Deutsch auch Nicht-Landessprachen wie Spanisch, Tibetisch, Bosnisch-Kroatisch-Montenegrinisch-Serbisch und Englisch – aus verschiedenen (sozio-)linguistischen Perspektiven untersucht.

Rätoromanisch als Herkunftssprache in der Deutschschweiz

mit Dr. Claudia Cathomas und Dr. Andrin Büchler

Wann & Wo

Wann: 12. März 2026, 14:15-16:00

Wo: F022, Unitobler

Diese Vorlesung ist Teil der Ringvorlesung "Heritage Languages".

 

Abstract

Laut den neuesten Zahlen des Bundesamts für Statistik verwendet etwa 1 % der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren (ca. 60.000 bis 70.000 Personen) regelmässig Rätoromanisch (Audergon, 2025). Überraschend mag anmuten, dass je nach Schätzung mehr als die Hälfte der Sprecher:innen nicht im «traditionell-angestammten» Sprachgebiet leben, sondern in der sogenannten rätoromanischen Diaspora. Das heisst also in deutsch- oder italienischsprachigen Teilen Graubündens, gar im Ausland oder in anderen Kantonen der Schweiz, wobei insbesondere die Deutschschweizer Städte als Wohnort sehr beliebt sind. Ausserhalb des traditionell-angestammten Gebiets ist Rätoromanisch grundsätzlich eine Herkunftssprache für Kinder von Eltern, die inländisch aus einem rätoromanischen in ein anderssprachiges Gebiet migriert sind, wobei es aber kaum je so im öffentlichen Diskurs bezeichnet wird.

 

Im ersten Teil des Vortrags wird die inländische Migration der Elterngeneration nach einer kurzen Einführung in das Rätoromanische und seine soziolinguistische Situation genauer beschrieben. Im Fokus steht dabei die soziologische Frage, welche Bevölkerungsgruppen insbesondere mobil sind und warum. Zudem wird die Migration als kein abrupter, sondern als gradueller Prozess mit verschiedenen Stadien beschrieben, die mit ideologisch-identitären und netzwerkbezogenen Faktoren zusammenhängen (Büchler, i. Ersch.).

 

Auf Basis dieser Überlegungen wird im zweiten Teil die Weitergabe des Rätoromanischen als Herkunftssprache in der Deutschschweiz beleuchtet. Ausgangspunkt bildet hierbei eine qualitative Studie des Instituts für Kulturforschung Graubünden zur sprachlichen Situation rätoromanischer Familien ausserhalb des Sprachgebiets (Cathomas et al., 2024). Die Ergebnisse zeigen, dass die Weitergabe des Rätoromanischen unter diesen Bedingungen besonders fragil ist, da Deutsch in den meisten gesellschaftlichen Bereichen dominiert und ausserhalb der Familie nur wenige Gelegenheiten zur Verwendung des Rätoromanischen bestehen. Gleichzeitig kommt der innerfamiliären Sprachpraxis eine zentrale Bedeutung zu, insbesondere der Quantität des rätoromanischen Inputs sowie der Rolle von Elternteilen, die Rätoromanisch nicht als Erstsprache sprechen. Darauf aufbauend thematisiert die Vorlesung aktuelle Forschungsarbeiten eines laufenden Projekts zur Family-Language-Policy in rätoromanischen Familien der Deutschschweiz. Im Fokus steht, wie rätoromanische Familien die Sprachweitergabe im Alltag aushandeln und welche Rolle Familiensprachdynamiken dabei spielen.

Mehrsprachigkeit mit Herkunftssprachen als Bildungsrisiko? Theoretische Überlegungen und empirische Befunden

mit Prof. Dr. Raphael Berthele

Wann & Wo

Wann: 19. März 2026, 14:15-16:00

Wo: F022, Unitobler

Diese Vorlesung ist Teil der Ringvorlesung "Heritage Languages".

 

Abstract

Die Vorlesung nimmt ihren Ausgang von einer fundamentalen Paradoxie in der gegenwärtigen bildungspolitischen Diskussion: Während bestimmte bildungspolitische AkteurInnen und ExpertInnen die „Fremdsprachlichkeit" als zentralen Faktor für mangelnden Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund identifizieren, heben andere FachvertreterInnen – insbesondere aus der angewandten Sprachwissenschaft und Mehrsprachigkeitsforschung – die Potenziale individueller Mehrsprachigkeit hervor.

Auf der Grundlage von Forschungsergebnissen aus der Schweiz und den angrenzenden Ländern wird untersucht, in welchem Verhältnis individuelle Sprachenrepertoires zu Kompetenzerwerb und Bildungsverläufen stehen und welche kausalen Aussagen über die Effekte herkunftssprachlicher Repertoires überhaupt zulässig sind. Dabei werden die dominierenden theoretischen Ansätze des Feldes - von der Interdependenztheorie über weitere Vorteilstheorien der Zwei- und Mehrsprachigkeit bis hin zu postmodernen Translanguaging-Konzepten - sowohl aus theoretischer Perspektive als auch vor dem Hintergrund der empirischen Evidenz kritisch beleuchtet.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Rolle von Herkunftssprachen beim Erwerb weiterer Sprachen, insbesondere der Schulsprache und schulischer Fremdsprachen.

L'italiano come lingua ereditaria

mit Prof. Dr. Silvia Natale

Wann & Wo

Wann: 26. März 2026, 14:15-16:00

Wo: F022, Unitobler

Diese Vorlesung ist Teil der Ringvorlesung "Heritage Languages".

 

Abstract

In dieser Vorlesung setzen wir uns mit Italienisch als Herkunftssprache in der Deutschschweiz auseinander. Nach einem kurzen Einblick in die verschiedenen Migrationsbewegungen von Italien in die Deutschschweiz gehen wir auf die sprachlichen Transmissionspraktiken und Sprachgebrauchsweisen der zweiten und dritten Generation ein. Im Zentrum stehen dabei insbesondere Phänomene wie Code-Switching und andere Formen sprachlichen Kontakts. Diese werden wir anhand grammatischer Eigenschaften von Texten von Herkunftssprecher:innen analysieren (beispielsweise der Gebrauch des progressiven Aspekts oder die Setzung von Nullsubjekten).   Abschliessend werfen wir einen Blick auf die neue italienische Migration und erste Beobachtungen zur Entwicklung sprachlicher Praktiken der „neuen“ zweiten Generation. Die Vorlesung wird auf Italienisch gehalten, die Folien sind auf Wunsch auch auf Deutsch erhältlich. 

Slavische Sprachen als Herkunftssprachen

mit Prof. Dr. Katrin Karl

Wann & Wo

Wann: 2. April 2026, 14:15-16:00

Wo: F022, Unitobler

Diese Vorlesung ist Teil der Ringvorlesung "Heritage Languages".

Bundesdeutsches Hochdeutsch als Herkunftssprache in der Deutschschweiz

mit Prof. Dr. Florian Busch

Wann & Wo

Wann: 16. April 2026, 14:15-16:00

Wo: F022, Unitobler

Diese Vorlesung ist Teil der Ringvorlesung "Heritage Languages".

 

Abstract

Migration und Mobilität prägen den kommunikativen Alltag der Schweiz. Für deutsche Zugewanderte entsteht dabei häufig ein Spannungsfeld zwischen Erwartung und Erfahrung: Viele rechnen mit geringen sprachlichen Hürden, da Deutsch eine Nationalsprache der Schweiz ist. Im Alltag zeigt sich jedoch, dass sich schweizerisches Hochdeutsch vom bundesdeutschen Hochdeutsch unterscheidet und dass Schweizerdeutsche Dialekte – insbesondere in gesprochen-sprachlichen und informellen Situationen – eine zentrale Rolle spielen. Zudem erfahren Deutsche ihre bundesdeutsche(n) Varietät(en) als sozial markiert.

Der Vortrag nimmt diese Konstellation zum Ausgangspunkt und fokussiert bundesdeutsches Hochdeutsch in der Deutschschweiz und diskutiert seinen Status als Herkunftssprache. Im Zentrum stehen die Spracheinstellungen deutscher Zugewanderter im Hinblick auf ihren kommunikativen Alltag: Welche Erwartungen antizipieren sie in Interaktionen mit Schweizer:innen? Welche sprachideologischen Werte schreiben sie dem schweizerischen und dem bundesdeutschen Hochdeutsch sowie den Schweizerdeutschen Dialekten zu? Und welche sprachlichen Praktiken nutzen sie, um sich im Alltag sozial zu positionieren und situierte Identitäten zwischen sozialer Inklusion und Exklusion herzustellen?

Empirische Grundlage sind eine quantitative Online-Umfrage mit insgesamt 491 Teilnehmenden sowie 20 qualitative Interviews, die im Rahmen einer Spracheinstellungsstudie von Selma Vonlathen, Adrian Leemann und Florian Busch erhoben und ausgewertet wurden. Der Vortrag arbeitet heraus, wie deutsche Zugewanderte sprachliche Differenzen wahrnehmen und deuten, wie sich dies in ihren Bewertungen der Varietäten niederschlägt und wie sie durch sprachliches Handeln Zugehörigkeit, Distanz und Normalität im Kontext deutschschweizerischer Mehrsprachigkeitsordnungen aushandeln.

El español como lengua de herencia

mit Prof. Dr. Yvette Bürki

Wann & Wo

Wann: 23. April 2026, 14:15-16:00

Wo: F022, Unitobler

Diese Vorlesung ist Teil der Ringvorlesung "Heritage Languages".

 

Abstract

Prozesse der Neudefinition und Wirkmächtigkeit des Spanischen als Herkunftssprache in der deutschsprachigen Schweiz. Eine Studie anhand von Sprachporträts. 

In dieser Vorlesung werden die Ergebnisse einer gemeinsamen Studie von Livio Bonaduce und Yvette Bürki über Spanisch als Herkunftssprache unter Jugendlichen lateinamerikanischer Herkunft in der Schweiz vorgestellt. Ausgehend von einem qualitativen Ansatz auf der Grundlage von Sprachporträts werden die sprachlichen, emotionalen und identitätsbezogenen Erfahrungen von 22 Teilnehmer:innen analysiert. Die Ergebnisse zeigen Konstanten in Bezug auf die intergenerationelle Weitergabe und die Rolle der Jugendlichen bei der Neudefinition und Reaktivierung des Spanischen. Außerdem wird die Rolle des Englischen als Sprache der Jugendsozialisation und des globalen Prestiges sowie dessen Einfluss auf die Neugestaltung der Sprachhierarchien untersucht, ohne dabei den symbolischen Wert des Spanischen zu verdrängen.

Le français comme langue d’héritage en Suisse

mit Prof. Dr. Sandrine Zufferey

Wann & Wo

Wann: 30. April 2026, 14:15-16:00

Wo: F022, Unitobler

Diese Vorlesung ist Teil der Ringvorlesung "Heritage Languages".

 

Abstract

Französisch ist die am zweithäufigsten gesprochene Sprache in der Schweiz und eine der Amtssprachen des Landes. Es ist daher nicht die naheliegendste Sprache, die man als Herkunftssprache in der Schweiz untersuchen könnte. Dennoch ist diese Situation vorhanden und sogar recht verbreitet im Kanton Bern, wo immer mehr französischsprachige Familien aus der Romandie oder dem Ausland in die deutschsprachigen Teile des Kantons ziehen. So leben beispielsweise in der deutschsprachigen Stadt Gampelen im Seeland mittlerweile 47 % Französischsprachige, und in der Stadt Biel ist das Verhältnis zwischen Deutsch- und Französischsprachigen mittlerweile fast ausgeglichen. Eines der Ziele von Familien, die in deutsche Städte ziehen, ist oft, ihren Kindern die Möglichkeit zu geben, zweisprachig aufzuwachsen. Aus diesem Grund entscheiden sie sich dafür, ihre Kinder in deutschsprachige Schulen zu schicken, und Französisch wird zu einer Herkunftssprache, die nur zu Hause gesprochen wird. In diesem Vortrag werde ich über die Sprachpraktiken, Motivationen und Einstellungen französischsprachiger Familien im Kanton Bern berichten, indem ich die Ergebnisse von halbstrukturierten Interviews analysiere, die im Sommer 2025 mit 50 französischsprachigen Einwohnern des Kantons durchgeführt wurden.

Critical pedagogies for a socially sustainable linguistic world: Insights from Spanish in the U.S.

mit María Luisa Parra

Wann & Wo

Wann: 7. Mai 2026, 14:15-16:00

Wo: F022, Unitobler

Diese Vorlesung ist Teil der Ringvorlesung "Heritage Languages".

Tibetisch als Herkunftssprache in der Schweiz

mit Ellora Hänni

Wann & Wo

Wann: 21. Mai 2026, 14:15-16:00

Wo: F022, Unitobler

Diese Vorlesung ist Teil der Ringvorlesung "Heritage Languages".

 

Abstract

Nach aktuellen Schätzungen leben heute rund 7 500–8 000 Personen tibetischer Herkunft in der Schweiz, womit diese Gemeinschaft zu den größten tibetischen Diasporagruppen in Europa gehört1. Viele der in der Schweiz lebenden Tibeter*innen legen großen Wert darauf, im Exil ihre Kultur und damit auch ihre Sprachen zu bewahren. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine homogene tibetische Sprache, sondern um eine Sprachfamilie mit zahlreichen, zum Teil nicht gegenseitig verständlichen Varietäten, was besondere Herausforderungen für den Spracherhalt mit sich bringt.

Nach einer Einführung in die tibetische Sprachgruppe sowie in zentrale Zahlen und Fakten zur tibetischen Diaspora in der Schweiz wird der Begriff der Herkunftssprache aufgegriffen. Anhand zweier Porträts wird sichtbar, wie Tibetisch als Herkunftssprache in unterschiedlichen biographischen, generationellen und migrationsbedingten Kontexten ausgehandelt wird.

Das erste Porträt gilt Tibi, der vor über 60 Jahren im Alter von sieben Jahren von einer Zürcher Familie adoptiert wurde und seither in der Schweiz lebt. Er spricht Züridütsch, hat hier seine Ausbildung absolviert, eine Familie gegründet und Kinder großgezogen und ist dabei stets mit seinen tibetischen Wurzeln verbunden geblieben. Das zweite Porträt stellt die Familie M. vor, die erst seit wenigen Jahren in der Schweiz lebt. Sunita und ihr Mann Kalsang sind bemüht, sich in der Schweiz zu integrieren und gleichzeitig ihren drei Töchtern im (Vor-)Schulalter Sprache und Kultur ihrer Herkunft zu vermitteln.

Webinar Serie: Conversations on Language Policy in Africa

mit Djouroukoro Diallo

Publishing with Language Policy in Africs (LPIA) geht über das bloße Bereitstellen von Artikeln hinaus. Es bedeutet auch, mit der Öffentlichkeit in einen Dialog über diese Artikel zu treten. Unsere Webinar-Reihe bietet den Autoren der Zeitschrift die Möglichkeit, ihre Arbeiten einem internationalen Publikum aus Fachkollegen und Kollegen vorzustellen, die sich für sprachliche Fragen sowohl auf akademischer als auch auf soziokultureller Ebene interessieren. Diese Webinare fördern neue Synergien, inspirieren zu zukünftigen Projektideen und regen zur Vernetzung an.

 

Das nächste Webinar mit Elvis ResCue, David Dankwa-Apawu und Yvonne Agbetsoamedo findet am 6. Februar um 16:00 CET statt.

Die Sitzung wird von Djouroukoro Diallo von der Universität Bern moderiert. 

 

Webinar Programm:

  1. 3. Oktober 2025 - Caroline Story
  2. 7. November 2025 - Menzi Thango
  3. 9. Januar 2026 - Yassine Boussagui, Yamina El Kirat El Allame
  4. 6. Februar 2026 - Elvis ResCue, David Dankwa-Apawu, Yvonne Agbetsoamedo
  5. 6. März 2026 - Kenneth Oboriah
  6. 10. April 2026 - Sali Mufwene

 

 

 

Gastvorlesungen-Archiv

Hier finden Sie eine Übersicht unserer vergangenen Gastvorlesungen.